Goodwood Festival of Speed 2017 – auch nach 25 Jahren immer noch Vollgas

Was 1993 als eine Einladung zu einer “Garden Party” mit alten Rennwagen begann, hat sich in den 25 Jahren seines Bestehens zur größten Motorsportveranstaltung der Welt entwickelt. Und dies sowohl was die Anzahl der Zuschauer – 150’000 bis 180’000 – als auch der Teilnehmer und Fahrzeuge anbelangt.

Ein Autosalon in Bewegung

Lord March und sein Team haben die Zeichen der Zeit erkannt und die Veranstaltung von einem Treffen „alter“ Renn- und Sportfahrzeuge zu einer „Moving Motor Show“ weiterentwickelt, die in diesem Jahr Fahrzeuge von 1902 bis 2017 umfasste, vom klassischen Benzinantrieb über den Cummins Diesel von 1952 und den dieselangetriebenen Le-Mans-Sieger Audi R10 von 2006, bis zur Formel E mit Fahrzeugen von Renault und Mahindra. Als Sahnehäubchen für den Rennsport von Morgen wurde schliesslich noch Green4you von Don Panoz gezeigt, der nächstes Jahr die 24 Stunden von Le Mans mit einem vollelektrischen Renner in Angriff nehmen will. Mit dieser Bandbreite der Fahrzeuge, ergänzt um ein großes Motorradfeld und eine eigene Demonstrationsstrecke für Rallyefahrzeuge, sowie mit der Eröffnung des FOS Future-Lab wirkt Goodwood auf elegante Weise dem in der Altautoszene zu beobachtenden Problem der Vergreisung oder des mangelnden Nachwuchses entgegen, unter dem u.a. viele Clubs zu leiden haben. Das Festival of Speed ist eindeutig eine kommerzielle Veranstaltung, die aber nichtsdestotrotz den ursprünglichen Charakter der “Garden Party” auf sympathische Art beibehalten hat.

Jung und Alt im Cockpit

Die Fahrer reichten vom 27-jährigen Finnen Valteri Bottas mit dem aktuellen Mercedes Formel 1 bis zum 81-jährigen Amerikaner George Wingard mit seinem Mercedes Grand Prix von 1914. Ähnlich decken auch die Zuschauer das Spektrum vom Kinderwagenalter bis zum Greis ab. Sie alle huldigten dem diesjährigen Thema: „Peaks of Performance – Motorsport’s Game Changers“.

Der frühe AFM aus Deutschland

Alex von Falkenhausen (AFM) gehört neben Ernst Loof (Veritas) und Petermax Müller (VW Spezial) zu den Pionieren des deutschen Rennsports nach Kriegsende. Für die Zweiliterklasse stand der BMW 328 Motor zur Verfügung, für die 1100er-Klasse der VW-Motor.

Alex von Falkenhausen war sich als Ingenieur der Drehzahlbegrenzung des 328 Motors mit 96mm Hub durchaus bewusst und hatte sich überlegt, durch eine geänderte Kurbelwelle mit einem auf 73mm reduzierten Hub und längeren Pleueln, den Hubraum auf die damals gültigen 1,5 Liter bei gleichzeitig höherer Drehzahl zu verringern.

Und diesen Motor setzte er dann in den als Intertyp – das bedeutet Einsatz auf der Rennstrecke und der Straße – bezeichneten Zweisitzer ein. Der österreichische Restaurator Christian Nell hat die Reste dieses Fahrzeugs gefunden und daraus den hier abgebildeten Renner gebaut. Eingesetzt und das erste Mal gefahren hat ihn der Wiener Dieter Quester, eine bekannte Größe mit BMW Wettbewerbsfahrzeugen und Autor des selbstironischen Buches „Wie komm ich bloß vom Rennsport los?“. Wie man sieht, ist es ihm noch nicht ganz gelungen. Als echter Racer wollte Quester auch am Zeitfahren, standesgemäß als “Shootout“ bezeichnet, teilnehmen. Beim Training gab es dann allerdings ein Ölleck, auf dem er sich drehte und der Wagen für einige Sekunden Feuer fing. Damit hatte sich der Traum auf einen Ehrenplatz im Rauch aufgelöst. Im Training war er mit 77,41 sec für die 1.860m immerhin 29. von 43 Startern, die auf Zeit fuhren.

Text: Martin Schröder

Bild: © Copyright / Fotograf: Dominic James

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