Lenzerheide Motor Classics 2017 – grollende Rennwagen auf fast 1500 Metern

Bereits zum sechsten Mal fand am 9. bis 11. Juni 2017 in Lenzerheide die gleichname “Motor Classics” statt, um den Kurgästen und Ferienwohnungsbesitzern “das Geräusch von knatternden Motoren und quietschenden Reifen” näherzubringen. Die fast perfekten Rahmenbedingungen und das schöne Wetter sorgten gemäss Veranstalter für einen Rekordaufmarsch an Besuchern. Und dies gelang hervorragend und sogar getreu dem Motto der Ferienregion “Sonne hochzwei”.

Praktische Formel

Der Veranstaltungsmodus hat sich bereits in den fünf früheren Austragungen seit 2011 bewährt. Eine gut ausgebaute Landstrasse entlang des “Igl Lai” Bergsees erlaubt flotte Tempi, dann folgt ein Verbindungsstück durch den Ort, um nach 2,45 Kilometern wieder zum Start in Richtung Waldstück und See zu führen.

Bei jeder Start-Durchfahrt wird sozusagen neu gestartet, das Ziel ist dann am Ende des Sees. Die einzelnen Fahrzeugfelder haben die Strecke jeweils 25 Minuten, was je nach Fahrzeugtyp für 6 bis maximal 11 Runden reicht. Dann wird das Feld zurück ins Fahrerlager geführt, das nächste Rennwagenfeld übernimmt. Für die Piloten bedeutet dieser Ablauf also etwa 100 Minuten sportlichste Fortbewegung, für die Zuschauer viele Gelegenheiten, die verschiedenen Wagen in Fahrt und mit voller Soundkulisse zu sehen.

Le-Mans-Feeling in der Höhenluft

Fast ein wenig an Le Mans erinnerte das Feld 8, in dem gleich mehrere Prototypen-Sportwagen am Start waren. Der Ferrari 512 BB/LM beispielsweise gehört genauso zu den Wagen, die auch schon auf der Hunaudières mit über 300 km/h entlang bretterten wie der Sauber C5, den der Schweizer Peter Sauber baute. Leider durfte der Ferrari 512 M mit Sunoco-Lackierung wegen eines technischen Problems nicht auf die Piste. Ergänzt wurde das Feld des Sponsors Autobau Romanshorn mit ehemaligen Formelautos, die Fredy Lienhard einst selber pilotiert hatte, und mit Sportwagen aus seiner Autosammlung, darunter der neuzeitliche Ferrari 333 SP, aber auch der Sauber C3.

Vom Käfer bis zum Formel 2

Eintönigkeit konnte man den Organisatoren definitiv nicht vorwerfen, denn zusammen mit der Dorfgruppe, die einige elegante Klassiker wie den Citroën Traction Avant oder den De Lorean DMC12, bekannt aus “Back to the Future” an den Start brachte, konnten die Besucher einen richtig farbigen Mix aus Automobilen (und Motorrädern) in Aktion sehen. Ob VW Käfer, Vorkriegs-Alvis, Aston-Martin Le Mans, Porsche 356, Renault 12 Gordini oder der March 712 Formel 2, den einst Henry Pescarolo pilotierte, es war fast aus jeder Dekade ab den 1910-er-Jahren bis in die Neuzeit etwas vorhanden.

Nicht nur Oldtimer und Youngtimer

Speziell für eine “Classic”-Veranstaltung war sicherlich das Feld Nummer 6, das sich aus Supersportwagen der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit zusammensetzte. Aber gerade die Kleinsten am Streckenrand hatten oft am Ferrari LaFerrari oder am Porsche 918 die grösste Freude. Und schliesslich werden diese Autos dann in 30 Jahren vielleicht den Hauptanteil an der 36. Lenzerheide Motor Classics ausmachen, wer weiss das schon.

Toleranz nötig

Die Koexistenz von Motorsport und Wanderen/Montain-Bike-Fahrern auf engem Raum ist nicht immer einfach, aber den Veranstaltern gelang es, den richtigen Mix zu finden und schliesslich bezahlten die Zuschauer nichts, was den “Goodwill” sicherlich deutlich vergrösserte. Aber schliesslich dröhnen die Motoren nur einmal im Jahr und schon ab Sonntag-Abend gehörte die Gegend um Lenzerheide wieder den Fahrradfahrern und dem Fussvolk.

Bild und Text: Bruno von Rotz

© Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

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